18Nov/1211

Amazon Partnerprogramm Umsätze richtig versteuern und buchen

Das Amazon Partnerprogramm ist eine nette Möglichkeit, um Webseiten oder Blogs zu monetarisieren. Da das Unternehmen allerdings im EU-Ausland sitzt, sind einige Dinge zu beachten bevor man sich an dem kleinen Nebenverdienst erfreuen kann. Amazon Partnerprogramm

Allgemeines

Für die Teilnahme an dem Amazon Affiliate Programm ist ein Gewerbe Voraussetzung. Zusätzlich benötigt man für den Waren- und Dienstleistungsverkehr innerhalb der EU eine sog. Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, die kostenlos über das Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung online beantragt werden kann. Diese ist unterschiedlich zur Steuernummer bzw. Steuer-Identfikationsnummer die man automatisch vom Finanzamt zugewiesen bekommt und hat das Format DE123456789. Die Beantragung benötigt i.d.R. nur ein paar Tage.

Rechnung

Amazon zahlt die Werbekostenerstattung als Nettobetrag aus und verschickt eine E-Mail die eine "Abrechnung" enthält. Diese ist allerdings so schlicht gehalten, dass diese nicht im Sinne des Finanzamts als formale Gutschrift anerkannt wird. Von daher ist es erforderlich, eine entsprechende proforma Rechnung an Amazon zu adressieren. Wie Amazon auf den Partner-Hilfeseiten hinweist, kommt das Reverse-Charge-Verfahren zum Einsatz. Dies bedeutet, dass die Steuerschuldnerschaft auf den Leistungsempfänger (Amazon) über geht. Von daher braucht die Rechnung keine Umsatzsteuer auszuweisen und auch nicht wirklich abgeschickt zu werden.

Die Rechnung sollte mindestens folgenden Merkmale enthalten:

  • Amazon's Adresse:
    Amazon Europe Core Sarl
    5 Rue Plaetis
    L-2338 Luxembourg
    Luxembourg
  • Amazon's Ust-IdNr.: LU26375245
  • Die eigene Ust-IdNr
  • Den Nettobetrag, ohne die Umsatzsteuer auszuweisen
  • Einen Hinweis auf das Reverse-Charge-Verfahren, z.B.:
    "Hierbei handelt es sich um eine im Inland nicht steuerbare sonstige Leistung. Nach der Reverse-Charge-Regelung sind Sie als Leistungsempfänger Schuldner der Umsatzsteuer."

Verbuchen

Ist der Nettobetrag auf dem Konto eingetroffen, muss dieser entsprechend verbucht werden. Dazu ist der komplette Betrag als "Erlöse aus im anderen EG-Land steuerpflichtigen sonstigen Leistungen, für die der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer schuldet" zu buchen.

Umsatzsteuervoranmeldung

Natürlich müssen die mit Amazon gemachten Umsätze auch in der Umsatzsteuervoranmeldung (UStVA) eingetragen werden. Dazu muss der Nettobetrag in Zeile 41 (Feld 21), "nicht steuerbare sonstige Leistungen gem. §18b Satz 1 Nr. 2 UStG" eingetragen werden.

Zusammenfassende Meldung

Da Umsätze in der EU getätigt wurden, ist eine "Zusammenfassende Meldung" (ZM) quartalsweise zu übermitteln (falls zusätzlich Warenlieferungen: monatlich). Dazu ist die USt-IdNr von Amazon nebst der Summe aller Werbekostenerstattungen des Meldezeitraums (netto) in die Liste einzutragen.

Nur Kleinunternehmer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes brauchen grundsätzlich keine ZM abzugeben.

Verarbeitung in WISO Mein Büro

WISO Mein BüroWie bereits in einem älteren Post zu Paypal erwähnt, verwende ich WISO Mein Büro um meine geschäftlichen Aufgaben zu erledigen. Als Einzelunternehmer verwende ich dort die sog. Buchungsvariante 2 (einfache EÜR) und habe auf die Kleinunternehmerreglung verzichtet. Von daher muss ich monatlich meine Umsatzsteuervoranmeldung leisten - komme aber im Gegenzug in den Genuss des Vorsteuerabzugs.

Taucht das erste Mal die Amazon Gutschrift in dem Kontoauszug unter "Finanzen/Zahlungen Bank/Kasse" auf, sucht man ersteinmal vergebens im Assistenten nach dem zuvor genannten Erlöskonto "Erlöse aus im anderen EG-Land steuerpfl. sonst. Leist., für die der Leistungsempf. die Umsatzst. schuldet offen". Dieses steht standardmäßig nur in Buchungsvariante 3 (SKR03) zur Auswahl. Um dies dennnoch mit Buchungsvariante 2 hinzubekommen geht man wie folgt vor:

  • Einen neuen Artikel "Werbedienstleistung für das Amazon Partnerprogramm" o.ä. über "Stammdaten/Artikel" anlegen
    • MwSt.-Satz: 0%
    • Artikel-Art: Verkaufsartikel
    • Auf dem Reiter "Sonstiges", "Spezielle Fibu-Erlöskonten bei:", "MwSt. 0%" das Konto 8036, "Erlöse aus im anderen EG-Land steuerpfl. sonst. Leist., für die der Leistungsempf. die Umsatzst. schuldet offen" auswählen
  • Einen neuen Textbaustein für EU-Rechnungen über das Menü "Stammdaten/Textbausteine u. Vorlagen" anlegen
    • Auf dem Reiter "Rechnungen" einen neuen Textbaustein "Rechnung EU" anlegen
    • Für diesen die Einstellungen aus dem Standard-Textbaustein "Rechnung_01" manuell übernehmen
    • Unter dem "Schlußtext" als letzte Zeile "<VATIDCODE>" hinzufügen
  • Amazon als Kunden unter "Stammdaten/Kunden" anlegen
    • Amazon's Anschrift in Luxemburg angeben
    • Auf dem Reiter "Vorgabewerte" unter dem Punkt "Textbausteine", "Rechnung", den zurvor erstellten Textbaustein "Rechnung EU" selektieren
    • Auf dem Reiter "Konditionen" unter dem Punkt "Ausländische Kunden" Amazon's USt-Identnummer eintragen
    • Das Häkchen "Dieser Kunde bekommt eine Netto-Rechnung" setzen
  • Eine neue Rechnung unter "Verkauf/Rechnungen" erzeugen
    • Amazon als Rechnungsempfänger über "aus den Stammdaten wählen" selektieren
    • Bestätigen des Hinweisdialogs über den empfängerspezifischen Textbaustein
    • Bestätigen des Hinweisdialogs über "Abweichende Erlöskonten"
    • Den zuvor angelegten Artikel aus dem Artikelstamm übernehmen und den Netto-Betrag der Amazon-Gutschrift als Listenpreis angeben
    • Den Artikel in die Rechnung übernehmen
    • Auf dem Reiter "Erweitert", "Sonstiges", "Abweichendes Erlöskonto MwSt-Frei" anstatt "Standard", "Erlöse aus im anderen EG-Land steuerpfl. sonst. Leist., für die der Leistungsempf. die Umsatzst. schuldet offen" wählen
    • Ein entsprechender Hinweis auf die "Reverse-Charge-Regelung" sollte nun unter Rechnung erscheinen
    • Zusätzlich sollte die eigene und Amazon's USt-ID-Nr unter der Rechnung angezeigt werden
  • Die Amazon Rechnung dem Zahlungseingang zuordnen
    • Unter "Finanzen/Zahlungen Bank/Kasse" den Amazon Zahlungseingang doppelklicken
    • Unter "Kategorie", "Zahlung vom Kunden" selektieren und die zuvor erstellte Rechnung über "Rechnung / Kundenkonto suchen" auswählen
    • Fertig!

Damit sollte die Gutschrift nun korrekt verbucht sein und sowohl in der UStVA und ZM entsprechend auftauchen. In Zukunft braucht man somit immer nur noch eine Rechnung erstellen, Amazon als Empfänger auswählen, Artikel mit Preis hinzufügen, Erlös-Konto auswählen und dem Zahlungseingang zuordnen. Ich denke das sollte zu schaffen sein :).

Habt ihr vielleicht eine kürzere oder effektivere Variante für die Verarbeitung von Gutschriften aus dem Amazon-Partnerprogramm? Haltet ihr die Verarbeitung innerhalb von "Mein Büro" für plausibel? Dann hinterlasst bitte eure Kommentare!

Disclaimer: Ich bin kein Steuerberater o.ä. und teile hier nur meine Erfahrungen und Erkenntnisse die ich gesammelt habe! Diese basieren zwar auf Aussagen meines Steuerberaters, beziehen sich aber somit konkret auf meine aktuelle Situation. Bei Unklarheiten bitte den eigenen Steuerberater und/oder den Buhl-Support konsultieren.

Posted by Veit Guna

Tagged as: Amazon-Partnerprogramm, WISO Mein Büro

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  • sf

    ich wundere mich über dies ausführungen zur UmsatzsteuerID, denn Amazon selbst schreibt: “Wir akzeptieren lediglich luxenburger Umsatzsteueridentifikationsnummern. Wenn Sie in Deutschland ansässig sind brauchen Sie uns Ihre Umsatzsteueridentifikationsnummer nicht mitzuteilen.”

    • nightprogrammer

      Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer wird immer dann benötigt, wenn ein Unternehmen innerhalb des Gebiets der Europäischen Union am Waren- und Dienstleistungsverkehr zwischen den Mitgliedsstaaten teilnimmt. Da Amazon im (EU-) Ausland sitzt, ist dies der Fall. Ob Amazon nun die eigene USt-ID oder gar eine Rechnung “benötigt”, steht auf einem anderen Blatt :). Wie bereits im Artikel beschrieben, gehe ich auf Nummer sicher und erstelle eine pro forma Rechnung mit allen benötigten Angaben für das deutsche Finanzamt – inkl. meiner eigenen USt-ID. Im Zweifel den eigenen Steuerberater zurate ziehen.

  • Pingback: Rechtliche Aspekte beim Amazon-Partnerprogramm > Amazon > Amazon, Recht, Rechnung, Affiliate()

  • Hans

    Vielen Dank für die Info. Würde sich das FA nicht daran stören, dass die Rechnungsnummer in der nachträglich erstellten Rechnung nicht in der Gutschrift von Amazon erscheint?

    • nightprogrammer

      Am 31.10.2013 14:47, schrieb Disqus:

  • _Poldi

    Danke für den Artikel!

    Wenn ich ein Gewerbe habe und als Kleinunternehmer gelte, habe ich ja keine Ust-IdNr. Soll ich sie in der Rechnung weglassen? Wenn ich eine Ust-IdNr. beantragen würde, würde ich ja aus der Kleinunternehmer Reglung rausfallen, oder?

    • nightprogrammer

      Prinzipiell kann man auch als Kleinunternehmer eine UstId beantragen, ohne dabei auf die KU Regelung verzichten zu müssen. Allerdings gelten für KU, bei Geschäften innerhalb der EU, wieder bestimmte Grenzen wie die Erwerbsschwelle. Da kenne ich mich leider nicht wirklich aus. Dazu bitte einen Steuerberater konsultieren.

    • Daniel L.

      Hallo danke für den Artikel! Der hat mir sehr geholfen! Ich bin selbst auch Kleinunternehmer. Als Kleinunternehmer muss ich keine USTVA machen. Die ZM muss ich auch nicht machen oder? Dies gilt dann auch für diesen Fall oder? Das heißt ich schreibe entsprechend die Rechnung, wie oben vermerkt und besorge mir vorher eine USTID. Dann lege ich die Rechnungen ab und weise sie den Umsätzen zu. In der UST Erklärung am Jahresende weise ich dann meine Umsätze aus, die unter 17.500€ sind somit bin ich noch Kleinunternehmer. Die Umsätze von Amazon weise ich dann über die Anlage UR aus und bin fertig. Hab ich einen Denkfehler?

  • michbeck0711

    Hi,

    super Artikel, hat mir sehr geholfen. Danke dafür!

    Anregungen für weiter solche Tipps:

    - Ausgaben für Google Adsense Werbung
    - Einnahmen über Google Adwords
    - Ausgaben für Werbung auf Facebook
    - Ausgaben für Diensleistungen aus 3. Land z.B. USA.
    Beispiel:
    Dienstleistungsportale wie ELANCE, USA
    Hier lade ich per VISA oder Paypal Guthaben hoch, um damit Dienstleistungen zu bezahlen, die von Dienstleistern aus aller Welt erledigt werden. Elance lebt dabei von den jeweiligen Provisionen, welche sie den Dienstleistern in Rechnung stellen.
    Ich bekomme eine Art Quittung von Elance, auf der so wohl meine Anschrift als auch die Anschrift des Dienstleisters steht. Mehr aber nicht.

    - Verkauf einer Internet-Domain an 3. (In- und Ausland) über ein Verkaufsportal wie z.B. SEDO.
    Sedo stellt eine ordentliche Rechnung in Höhe der Verkausprovision. Käufer hat gleichzeitig Anspruch auf eine Rechnung von mir in Höhe des gesamten Verkaufspreises.
    Eingang der Zahlung auf meinem Konto von Sedo aber natürlich abzüglich der Provision

    Lauter Dinge zum Kopfzerbrechen.. :-)

    Gruß!
    Michael

  • Malte

    Sehr hilfreich, danke!
    Wäre es möglich hier von jemanden ein Muster einer solchen Rechnung an amazon zu bekommen?
    Würde mich sehr freuen!

  • http://www.kabellabor.de/ Boris

    Moin, die USt ID von Amazon im Text oben ist leider falsch richtig sollte es folgende sein: LU26375245

    Siehe auch die offizielle Seite von Amazon: https://partnernet.amazon.de/gp/associates/help/t18/a1?ie=UTF8&pf_rd_i=assoc_help_t18&pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_p=&pf_rd_r=&pf_rd_s=assoc-center-1&pf_rd_t=501&ref_=amb_link_191702_1

    • nightprogrammer

      Hm, da scheint Amazon die UstID wohl geändert zu haben. Danke für den Hinweis! Ich passe den Text entsprechend an.